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Buenos Aires zum Dritten

Montag, 23.9.

Morgens fahren wir von Cris über Tigre (eine Speckgürtelstadt von Buenos Aires) zum letzten Apartment in BA. In Tigre sammeln wir noch Anne und Korbi ein. Mit denen haben wir uns für unsere letzte Woche in Buenos Aires verabredet, da sie einen Tag später nach Hause fliegen wollen als wir und so passt es dann ganz gut. Die erfahrenen Leser erinnern sich: Wir hatten sie in Iguazu kennengelernt.
Unser Apartment ist mega schön! Wir haben jeeeede Menge Platz und richten uns in Ruhe häuslich ein. Screely bereiten wir für die Reise auf dem Schiff vor und alles, auf das wir die nächsten vier Wochen nicht verzichten können, nehmen wir mit ins Apartment. Und später ins Flugzeug, also ist Augenmaß angesagt. Abends gibt es sehr leckere selbstgemachte Empanadas und wir nutzen die Zeit, um noch ein paar Runden Canasta zu zocken.

Hier Motorradgeräusche einfügen!

Dienstag, 24.9.

Wir fahren früh nach Zárate, die Antriebswelle klackert schon voller Vorfreude. Der Spediteur kommt um 10 zum Hafen, wir werden sicherheitsmäßig aufgerüstet (mit Westen und Clownsschuhkappen) und bekommen Zutritt zum Hafengelände.
Wir klappern (ha!) zu Fuß einige notwendige Stationen ab und müssen eine ganze Weile warten. Ohne Internet, ohje. Martin trifft die unglückliche Entscheidung genau an dem Ort eine Spieleapp zu löschen, die er noch auf dem Handy hatte und will jetzt immer auf meinem mitspielen. Aber dann kommen wir gerade noch vor der Siesta dran und es läuft dann doch alles am Schnürchen.

Bis zum Zoll.

Dort wird das Auto dann noch mal gründlich durchgeguckt und sämtliche Dulce de Leche Packungen unter die Lupe genommen. Zusätzlich schicken sie einen Zollhund (namens Leon) durch den Wagen. Natürlich findet Leon den Fußboden neben dem Beifahrersitz sehr interessant und schnuppert dort besonders gründlich. Wir erklären, dass wir dort Hundefutter gelagert hatten und ich bin mir sofort unsicher, ob ich das vielleicht besser nicht gesagt hätte, da das ja total nach Ausrede klingt….
Aber die Überlegung, den Bodenbelag aufzumachen wird dann durch den eindeutig wochenlang angesammelten Dreck über den Nähten und die nahende Siesta glücklicherweise doch nicht in die Tat umgesetzt.

Und dann heißt es Abschied nehmen von Screely. Ohne Auto in Argentinien!
Schon ein komisches Gefühl, davor war man irgendwie immer noch mit seinem eigenen Zuhause rumgereist und nun auf einmal so komplett ohne alles. 
Aber unser netter Spediteur nimmt uns noch mit zurück nach Buenos Aires. Dort sammeln wir Anne und Korbi beim fancy Tattoo-Studio Swim Low ein und gönnen uns ein sehr leckeres Essen in einem netten kleinen faaancy Viertel: Palermo. 

Mittwoch, 25.9.

Heute schlafen wir entspannt aus und gehen dann in die Stadt zum Shoppen. Es ist richtig schön warm. In einem Park gibt es einen Riesenbaum und wir gucken uns kurz den Präsidentenpalast und Obelisk an.

Dann zeigen wir den anderen den schönen Buchladen, der in ein Theater gebaut wurde. Später kaufen wir ein und kochen lecker Abendessen.

Donnerstag, 26.9.

Heute gehts früh los, takatakataka!
Wir probieren mal ein Uber, anstelle eines Taxis oder der Bahn. Heute holen wir uns ein Andenken der besonderen Art.

Dort holen Anne und Korbi uns später ab, wir gönnen uns noch ein Eis um die Ecke auf der Dachterrasse.

Die anderen haben noch einen Tipp für einen guten Weinladen bekommen. Dort werden wir gut beraten und bekommen den Freunde-von-Freunden-von-Freunden-Preis für zwei Flaschen Wein, die wir als Mitbringsel einpacken.

Abends wird noch eine Runde Karten gezockt und Essen bestellt, diesmal sitzen wir im Wohnflügel mit Fake-Kamin.

Freitag for Future

Argentinien ist nun nicht eben fortschrittlich bezüglich Klimaschutz: Tierhaltung auf Rekordniveau, sehr hohe Quote an ungefilterten Dieselfahrzeugen, kaum Recycling, extrem viele Plastikverpackungen überall – selbst das normale Besteck im Restaurant wird oft in kleinen Plastiktütchen an den Tisch gebracht. Für die Hygiene. Außerdem hat das Land ne ganze Menge banalere Probleme – wer den Staatsbankrott bekämpft hat keine Zeit für Dosenpfand.

Umso erstaunlicher (und erfreulicher) ist die recht rege Beteiligung an der Demonstration. Wir haben unseren Teil dazu beigetragen. Ist auch noch mal ein anderes Sightseeing, wenn man quer über die größte Straße des Landes flanieren kann.

6000 Menschen, ein Anfang.

Hinterher waren wir platt. Essen, Canasta, Feierabend!

Samstag, 28.9.

Heute gehts nach dem Frühstück nach La Boca. Dort ist Maradona großgeworden und groß geworden und es gibt dort ein beliebtes Viertel mit vielen Kunstständen und kleinen Lädchen, in denen wir uns mit weiteren Mitbringseln eindecken.

Dann fahren wir mit dem Bus nach San Telmo.

Der Markt ist schön leer und wir genießen Empanadas.

Wir suchen noch nach einer Absackerbar, finden aber nur eine zweifelhafte Bar, die Skol heißt und wo man nur an bestimmten Tischen sitzen darf, die nicht für Instagrammer reserviert sind. Da gehen wir dann schnell wieder raus.

Einer der ersten Hinweise, den meine Eltern uns gaben, als wir anreisten, war: Passt auf, wo ihr hintretet. Die Pflastersteine sind oft locker, zerbrochen oder es liegt Hundekot herum. Wir nahmen uns diesen Hinweis zu Herzen und stellten auch schnell fest, dass sie Recht hatten. Besonders in Buenos Aires gibt es viele kaputte Wege und Stolperfallen, auf die man achten muss und wir hatten den Eindruck, dass es in vielen Stadtteilen auch keine Prioriät war, die Gehwege besonders schick zu halten.

Andenken: Pflasterstein, der in einem Haufen am Wegrand lag. Keine Sorge, davon gab es tausende.

Abends bringen uns AuK Doppelkopf bei – und wir mögen es! Wer hätte das gedacht. Sie sind aber auch besonders rücksichtsvolle Lehrer und werfen es uns nicht vor, wenn wir am Anfang Sachen falsch machen. 😀

Sonntag, 29.9.

Der letzte Tag vor der Abreise!! Den müssen wir jetzt aber noch gründlich ausnutzen. Was wir auch hinkriegen.

Baum auf dem Markt mit lustigen Früchten. Weiß jemand den botanischen Namen?

Wir schlafen aus, fahren noch mal nach San Telmo. Heute ist der Markt auch wieder in vollem Gange, draußen gibt es viele Stände und unsere Tangolehrer geben auch wieder ihre Show zum besten. Diesmal lassen sie die Zuschauer jeweils ihre Art eines bestimmten Tanzes vorführen. Es tanzen Mexikanerinnen, Chilener, und und und.

Wir wollen noch einmal richtig argentinisch Asado essen und suchen uns dafür ein touristisches Nobelrestaurant heraus. Dieses ist dann aber noch zu als wir schon Hunger haben (die Argentinier und ihre späten Essenszeiten…), also geben wir uns mit einem anderen zufrieden und sind nur ein bisschen enttäuscht, als es dann nicht ganz so toll ist. Dafür erleben wir, wie ein Paar am Nachbartisch verlangt, das Fleisch zu sehen, bevor es zubereitet wird. Sachen gibts…

Später gönnen wir uns noch ein paar Cocktails und sind jetzt im Doppelkopffieber.

Danach nehmen wir das letzte Mal die Subte zu unserem apartamento, um die letzte Nacht in Argentinien zu verbringen.

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La Walter

Toritag, 9.9.

Kuchen? Abends? Aber warum?

Klarer Fall von Geburtstag!

Das ist auch der Grund, weshalb wir gestern so eine Marathonetappe hingelegt haben: Geburtstag ist einfach schöner, wenn man nicht rumfahren muss!

Das Wetter ist ungewöhnlich gewöhnlich für Norddeutsche im September: 13°C, hin und wieder Nieselregen. Wir machen einen kleinen Spaziergang zum nahen Steinbruch, spielen mit den Hunden, unterhalten uns mit Walter (siehe unten).

Zur Feier des Tages gönnen wir uns abends nen Restaurantbesuch bei einer tatsächlich guten Pizzeria – ein seltener Fund in Argentinien! Unterwegs haben wir die Stadtbibliothek besucht:

Alma Gaucho

Walter, gebürtiger Argentinier (Buenos Aires), Mutter Dänin, Vater Hamburger, lebt in einem Anwesen, welches von seinen Großeltern stammt. La Falda hat recht viele Einwohner mit deutschen Wurzeln aus dem vergangenen Jahrhundert.

Er hat es sich aber nicht einfach im Haus gemütlich gemacht, sondern verdient sein Geld als Guide. Jedoch nicht für barocke Kirchen, sondern für die richtige Wildnis. Als afrika-erfahrener Buschpilot und Outdoormensch führt er nun jeden, der will, in jede noch so entlegene Ecke von Südamerika. Gletscher? Klar. Teilaktive Vulkane über 6000m? Er weiß wie man das übersteht. Die kargen, leeren Hochebenen der Anden? Sein zweiter Vorgarten!

An dieser Stelle ein Verweis auf seine Seite (www.almagaucho.net) und seinen Instagram-Account, für tolle Bilder!

Den Winter nutzt Walter zum Pause machen und zur Pflege von Material und Haus – und um Overlandern einen schönen Campground zu bieten. Massenhaft tolle Tips für weitere Trips sind natürlich inklusive!

Dienstag, 10.9.

Wir brechen wieder auf, Cordoba ist nicht mehr weit weg. Vorher gibt’s ne Tonne an Tips für später (nach Cordoba, zeitlich) und für gleich (nach Cordoba, wegtechnisch). Bis bald!*

Über einen alten, unbefestigten Pass durch die Wolken gelangen wir auf eine der Zufahrtsstraßen nach Cordoba:

Bei der Bergab-Etappe wird nur Tori etwas flau, sonst keine besonderen Vorkommnisse.

In Cordoba haben wir ein Apartment mit tiefer Garage und hohem Haus

….nope, passt doch nicht. Aber wir haben Glück und finden einen Parkplatz in Wurfweite

*Eigentlich wollten wir in ein paar Jahren wiederkommen. Eigentlich….

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Termas, La Rioja und weiter…

Termas De Hondo kann man sich vorstellen wie Bad Zwischenahn: es ist flach, nicht besonders groß, dafür voll mit Hotels, Spas, sonstigen Unterkünften und Rentnern. Bevorzugt in sportlichen Klamotten, denn hier tut man was für seine Gesundheit! Es gibt hier dutzende Thermalquellen, dem Wasser werden vielseitig heilende und fördernde Kräfte zugeschrieben: für Haut, Kreislauf, Wohlbefinden, Geist, Libido, Weltfrieden und die Tourismusbranche.

Zumindest unseren kalten Füßen hilft es, und abends mit Rotwein im Wasser zu köcheln ist für das Wohlbefinden auch ganz okay.

Der Campingplatz ist – von den Pools abgesehen – nicht außergewöhnlich: relativ leer, aber mit Hunden:

Da es recht frische Tage sind, verhalten wir uns entspannt-touristisch: Pool – kein Pool – Pool – kein Pool, Essen gehen, shoppen, danach heißen Tee trinken:

Donnerstag, 5.9.:

Wir sind alle durchgewärmt. Da wir inzwischen das Durchschnittsalter auf dem Campingplatz massiv senken wird es höchste Zeit aufzubrechen. Es geht über eine moderate Hügelkette Richtung Westen. Moderat? Ja, im Vergleich zu den Anden!

Nach der tollen letzten Erfahrung am Flüsschen haben wir für die folgende Nacht wieder einen abseits gelegenen Platz ausfindig gemacht.

Außerdem haben wir einen Klappgrillost! Er ist perfekt!

Freitag, 6.9.:

In La Rioja kehren wir in einem Cabaña-Komplex am Stadtrand ein. Hier bleiben wir wieder zwei Nächte, bevor wir nach Osten, gen Cordoba, aufbrechen.

Lässt sich aushalten. Das Wetter passt, die Stadt ist überschaubar und nett.

Shoppen, Essen, proBieren, Gas für den Kocher suchen (erfolglos) – gab wieder genug zu tun. Eine Eiskugel (80 Cent in den teuren Läden) geht hier als kleine Mahlzeit durch.

Am Samstagabend gehen wir zeitig schlafen, der Plan ist: riiiichtig früh aufstehen und die langweiligen 400 km am kühlen Vormittag absolvieren.

Sonntag, 8.9.:

Joooo, um 8 sind tatsächlich alle aufgestanden! Morgenroutine, Frühsport, Wäsche einsammeln und Skatepark entern, es gibt viel zu tun!

Ergebnis: um 12 ist der Bulli betankt und startklar…

Egal, muss man durch. In diesem Fall: praktisch nur geradeaus. Fenster runter, Oropax rein, mit 110 dahingondeln.

3 Stunden später sind wir im Zielort La Falda angekommen, nehmen den dortigen Flohmarkt natürlich noch mit. Fette Beute, modisch über alle Zweifel erhaben!

Der Campground in La Falda ist wieder kein üblicher Platz, sondern ein Privatgrundstück in bester Lage.

Unser Gastgeber lässt uns netterweise zu später Stunde seine Küche nutzen:

Aber dazu morgen mehr 🙂

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Von warmen Wüsten, windigem Wasserloch und waldigen Weiten

Los geht’s am Morgen gen Süden, nachdem wir uns noch mit 15 kg Obst und Gemüse, viel Wasser und sonstigem eingedeckt haben, um etwas autarker Campen zu können. Weinfelder erstrecken sich das ganze Tal entlang, die Sonne scheint. Auf unserem Weg nehmen wir noch etwas Kultur mit und besuchen die Ruinen der Siedlung der Quilmes. Diesem unrühmlich ausgerotteten Stamm indigener Ureinwohner wird heute durch eine nach ihnen benannte Stadt und ein landesweit sehr verbreitetes, leckeres Bier gedacht.

Die Ruinen der einstigen Siedlung/Festung sind sehr eindrucksvoll, im Besucherzentrum gibt es neben Fundstücken auch einen etwas pathos-triefenden Film, in dem die Spanier nicht gut wegkommen.

Kein Spanier, also sympathischer:

Wir verlassen das Tal gen Osten über einen weiteren schönen Pass, der aber nicht mal 3000m üNn erreicht, ganz überschaubar. Die Landschaft wechselt dabei von Wüste auf Schottland: grün, aber ohne Bäume und mit kaltem Wind.

Ein kleiner Stausee soll uns als Nachtlager dienen, aber da es dermaßen pustet fahren wir direkt weiter.

Hinter dem Stausee windet sich die Straße talwärts durch….Urwald. Plötzlich ist alles baumbewachsen, es wird wärmer und feuchter. Irre, nach Tagen in der Wüste. Sieht man auch schön von oben.

1500 Höhenmeter später finden wir abseits der Straße einen tollen Spot am Fluss: ruhig, geschützt, mit Feuerstelle. Pfadfindertauglich.

Wir fühlen uns genötigt, den Tag mit ein paar Pfadfinderliedern zu ehren. Einer vorherigen Zusage folgend lernt Martin jetzt auch endlich Gitarre spielen – zumindest bis seine zarten Fingerchen verschlissen sind.

Morgens ist es kallllllllt und grau, statt den Tag hier zu vertüdeln (siehe: Großeinkauf) fahren wir dann doch weiter nach Termas de Hondo, denn da ist der Name Programm. Dafür ist die Landschaft flach, langweilig und vom Zuckerrohranbau geprägt.

Morgenroutine:

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(der Weg nach) Cafayate

30.8., irgendein Wochentag

Allmählich macht sich die Begrenztheit einer sechswöchigen Reise bemerkbar: Natürlich können wir bei weitem nicht alles erleben, was allein Argentinien bietet, aber wir wollen doch die wenige Zeit effizient nutzen. Also brechen wir auf, vorbildlich zeitig um 13 Uhr in der Mittagshitze.

Martinas Tip beherzigend fahren wir nicht direkt über die berühmte Ruta 40 nach Süden, sondern machen einen Abstecher zur „blauen Lagune“. Dabei experimentiert Martin ein wenig mit dem Reifendruck herum – erfolgreich: Die Pisten sind plötzlich erträglicher. Aber nicht einfacher; einmal mehr verhilft uns die Geländetauglichkeit von Screely zu kaum beschreibbaren Eindrücken.

Über einen kleinen, sandigen Nirgendwo-Pass erreichen wir die Lagune, die völlig überraschend in der kargen Landschaft auftaucht. Zum Baden ist der Uferbereich leider viel zu schlammig, aber schön ist es trotzdem.

Weiter geht es durch ein ziemlich abgelegenes Dorf. Die Piste wird zu einem Weg wird zu einem Pfad. Maps.me ist da äußerst großzügig, was als „Ruta Provincial“, eine weiße Nebenstraße, gekennzeichnet ist, würde in Deutschland nicht mal als Wanderweg zugelassen werden weil der Zaun fehlt. Macht nichts, dafür ist die Fahrt fordernd.

Nach 60 km Umweg erreichen wir wieder die 40, was sich praktisch nur dadurch bemerkbar macht, dass mehr Platz für Waschbrettwellen ist. Puh!

Die Schüttelei halten wir nicht noch weitere 120 km aus, also nächtigen wir auf dem örtlichen Campground von Angastaco.

Hier passiert es Tine: Sie verliebt sich in eine kleine Hündin und ist sehr traurig darüber, dass wir sie nicht einfach einpacken und mitnehmen können. Hier laufen so viele Straßenhunde herum, dass wir eigentlich an jedem Platz gleich begrüßt wurden. Das ist einerseits ganz charmant und den meisten Hunden scheint es auch ganz gut zu gehen. Wir sind keinem aggressiven Hund begegnet, die meisten sind gut sozialisert – müssen sie ja auch, sonst kommt man auf der Straße wohl nicht weit. Manchmal erkennt man aber auch nicht sofort ob ein Hund ein Straßenhund ist oder nicht, denn die Besitzer lassen ihre Hunde teilweise durch den ganzen Ort spazieren und die kommen dann halt zurück wann sie wollen.

Andererseits haben viele Hunde Flöhe und/oder Zecken und Dreads im Fell. Das ist für unsere Augen natürlich ein Zeichen von Vernachlässigung, aber die Hunde werden von vielen Argentiniern auch trotz dieser Schmuddeligkeiten geherzt und gefüttert. Sie scheinen aber auch ein bisschen einen Nutztierstatus zu haben, da die meisten draußen gehalten werden.

Samstag, 31.8.

Zeitig geht’s weiter nach Cafayate.

Unterwegs werden wir selber Fotomotiv: Eine Gruppe Touristinnen, aus einem kleinen Reisebus ausgespuckt, ist ganz entzückt vom Bus, der vor Panoramabergen in der Morgensonne über eine einspurige Flussbrücke auf sie zu fährt. Lächeln und winken!

Und dann….ein sehr großes Planschbecken und Asphalt! Whoa! Fühlt sich falsch an, dass es nicht mehr überall rasselt und scheppert.

Endlich in Cafayate wird zuerst das Material gepflegt: volltanken, Scheiben putzen, Reifendruck anpassen. Ein kleines Frühstück am zentralen Platz später suchen wir den empfehlenswerten städtischen Campground auf, der am Stadtrand ruhig, aber in Laufweite zum Zentrum liegt. Perfekt, denn es steht Zivilisation tanken auf dem Programm für die nächsten Tage!

Hunde, Katzen und WLAN gibt es außerdem selbstverständlich auch.

Cafayate ist ganz cool, bisschen touristisch, aber dafür können Tori und Tine umso mehr in den kleinen Läden und auf den Artesanal Märkten stöbern.

Abends gibts natürlich einen wönzigen Schlöck Wein zur Pizza:

Am 1.9. gehen wir noch mal alle zusammen in die Stadt, die Läden sind teilweise auch ganz witzig. Hier ein Beweis: Argentinien ist christlich, scheint dies aber nicht ganz so bitterernst zu nehmen…

Abends gehts ins La Casa de las Empanadas. Dort gibts Livemusik und natürlich einen großen Haufen Empanadas – oder Empañadas?

Jedenfalls coole Musik.

Morgen reisen wir weiter nach Süden.

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Utopiaaaa

Hell, dunkel, hell, dunkel, hell, dunkel, Abfahrt 😦

So ungefähr kann man den Aufenthalt auf dem „Campingplatz“ Utopia beschreiben, denn Wochentage oder Daten spielen hier eigentlich keine Rolle. Und mit verlebten Baños, grillenden Argentiniern mit großen Wohnmobilen und kinderreichen, lärmenden Familien mit kleinen Autos hat Utopia überhaupt gar nichts zu tun.

(Um kalendarisch aber nicht aus der Spur zu kommen, hier die schnöden Daten: 27.8.-30.8., Mittwoch bis Samstag)

Martina und Johan, beide viele Jahre Weltreisende mit Auto und/oder Motorrad, haben sich nahe der berühmten Ruta 40 niedergelassen, um einen Akkuaufladeplatz für Rastlose, Neugierige und Reisefiebernde zu schaffen. Warum hier? Nun, sie haben beide mehr als genug von der Welt gesehen, um diesen Flecken Erde fundiert als ziemlich gut bewerten zu können.

Von der quasi überhaupt nicht befahrenen Schotterpiste erstreckt sich ein etwa 50 Meter breites Grundstück über rund 250 Meter hinab zum Fluss. Ein alter Wein- und Obstgarten auf den ersten 60 Metern stellt zurzeit noch den Campground für Gäste dar.

Eine Gebüschgruppe teilt das Grundstück, ein Weg führt dort hindurch zum zentralen Platz mit Hütte, Küche, Ofen, Feuerstelle undsoweiter.

Etwas abseits auf einer kleinen Lichtung ist die Dusche installiert – ein Brausekopf an einem Pfahl, mit Heißwasser vom Hüttendach. Exzellentes Duscherlebnis (solange die Sonne scheint).

Hangabwärts führt eine Treppe über eine größere Wiese zum Trockenklo – ein Plumpsklo mit Asche-Späne-Ablöschung, funktioniert hervorragend.

Das Wüstenklima diktiert den Tagesablauf: sobald die Sonne den Platz erwärmt verlässt man bald die Federn, um nicht im eigenen Saft geschmort zu werden.

Vormittags ist die Zeit für Aktivitäten: Motorräder reparieren, Frisbees werfen, Hängematten aufhängen, Tiere streicheln, Busse pflegen – was eben so anfällt. 20°C, schnell steigend.

Sobald die Sonne fast schmerzhaft brennt nimmt man sich ein Beispiel an den Tieren, sucht sich Schatten und bewegt sich wenig bis gar nicht. Routenplanung und Hängemattentests sind geeignete Tätigkeiten. Es sind etwa 30°C, die Höhensonne hat Kraft, der Wind ist jedoch angenehm kühlend.

Allmählich kann dann auch Gemüse vobereitet werden. Wenn die Sonne nicht mehr so arg brennt wird abkühlend geduscht und der Ofen angeheizt. Denn wenn die Sonne hinter dem Bergkamm verschwindet wärmt die Strahlung der Bauten und des Ofens von außen, die phänomenale Pizza und der lokale Wein von innen.

22 Uhr, es ist wirklich frisch (15°C, schnell sinkend). Auf dem Weg zum Schlafgemach besteht Stolpergefahr, denn der Kopf ist dabei durchgängig im Nacken zu tragen: So einen Sternenhimmel gibt es kaum woanders!

Ab in die Falle, denn die Nachttemperatur beträgt hier 3-5°C, brrrrrt.

So verbringen wir die Tage, vergessen die Buckelpiste und fühlen uns wieder wie die Pfadfinder, die wir (zu 3/4) ja auch sind. Wir kommen wieder, ob mit Motorrad oder Auto! ❤

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Gomeria, Gomeria…

Samstag, der 24.8.

Nachdem wir uns also vorgenommen hatten, mal eben einen Reifen zu finden, hat das natürlich nicht so funktioniert wie geplant. Wir haben bestimmt 10 Gomerias abgeklappert:

Hola, tiene un neumático 255/70 R 16 A/T (all-terrain)?

No./No creo, pero espere un momento… No./No!/No, es difícil aqui!

Ja ok, wir finden auch in der nächstgrößeren Stadt San Salvador de Jujuy (wird chuchuiii ausgesprochen) keine Reifen und müssen also wohl noch mal zurück nach Salta. Damit hat aber niemand ein Problem, wir alle haben die Stadt in guter Erinnerung behalten. Auf dem Weg sehen wir noch weitere schöne Felsen:

Dann buchen wir uns in einem Tankstellen-WLAN mal kurz ein Airbnb, sehr praktisch diese WLANs überall!

Als wir dort ankommen, ist allerdings niemand zuhause und wir haben kein Internet um zu überprüfen, ob uns vielleicht etwas bei Airbnb geschrieben wurde. Til hüpft über den Zaun um zu klingeln, aber keiner macht auf.

Nachdem wir gerade unser teures mobiles Internet (1€/mb) aktivieren wollen, um nachzuschauen, kommt Rolando an. Er ist total sympathisch und zeigt uns sein Heim. Richtig schick im Gegensatz zum letzten Mal und es gibt sogar einen funktionierenden Kamin! Naja mit so Pseudoholz und Gas, aber immerhin!

Abends gehen wir in ein weiteres veganes Restaurant, das aber im Vergleich zum letzten Mal doch etwas doll vegan schmeckt.

Sonntag, 25.8.

Am nächsten Tag bastelt Martin am Bus, Til geht skaten und Tori und ich gehen auf einen Artesanial Mercado.

Dort werden im Großen und Ganzen eigentlich immer die gleichen Sachen verkauft: Ponchos, Wollklamotten, Holzgeschnitztes, Getöpfertes, … Ab und zu findet man aber auch richtige Schätze.

Später suchen wir noch einen Waschsalon, der sonntagabends noch geöffnet hat. Als wir diesen finden ist dort eine übermüdete/verrückte Frau, die uns bittet jede einzelne Sache zu benennen und zu zählen (normalerweise zahlt man pro Korb oder pro Kleidungsstück und muss das auch nicht selber zählen oder sortieren). Da ich erst nach mehreren Anläufen darauf komme, was sie überhaupt von uns will und unsere Sachen schon total verteilt über den Tresen liegen, trauen wir uns dann auch nicht die Sachen doch wieder mitzunehmen und ich versuche noch eine ungefähre Preiseinschätzung von ihr zu bekommen. Doch das scheint zu viel verlangt, sie beginnt, jede Klamotte wieder einzeln hervorzukramen und auf der Preisliste mit bestimmt 50 Posten jeweils den richtigen Preis herauszusuchen. Ich sage dann: Esta bien, hasta mañana! und wir befürchten schon das Schlimmste.

Montag, 26.8.

Ist dann im Endeffekt natürlich alles halb so wild, der Typ am nächsten Morgen sieht auch müde aus, ist aber trotzdem nicht so fahrig und wir bezahlen insgesamt 1000 Pesos für die Wäsche von vier Personen, was ok ist.

Da wir von unserer letzten Reifensuche noch geprägt sind fragen wir dann bei einem Laden mit stattlichem Lagerraum nach, ob unsere gewünschten Reifen vorhanden sind. Ja sind sie! Ach, endlich!

Martin ist sehr happy, der Mechaniker scheint Ahnung zu haben und macht alles sehr flott und mit geübten Handgriffen fertig. Wir zahlen mit Efectivo (Bargeld), da es mit Kreditkarte 100€ mehr kostet. Das Bargeld reicht gerade so und wir holen uns dann lieber noch für unsere restlichen Euros in einer Cambiostube neue Pesos – die gibts inzwischen zu einem noch besseren Kurs!

Dann war geplant über einen Pass zum nächsten Campingplatz zu fahren.

Allerdings ist die Höhenluft doch belastender als vorher angenommen, daher fahren wir erst mal wieder zurück und suchen uns einen kleinen Municipal Campingplatz vor Salta. Dort läuft ein kleiner Welpe herum, der ein bisschen frech ist und bei anderen Leuten mit dem Ball der Kinder entwischt, bei uns aber natürlich Streicheleinheiten von Tori erntet.

Am Dienstag, 27.8., fahren wir dann über nicht ganz so hohe Serpentinien und werfen dafür jeweils das Hilfsmittel der Wahl ein: Aspirina oder Cocablätter.

Wir finden noch einen Fluss an dem wir einen dollen Damm bauen, den Til dann wieder einreißen darf und es gibt schöne Steine zu sehen und zu sammeln (leider immernoch keine mit Loch, die sammeln die Leute hier vielleicht selber alle ein).

Noch ein paar Bilder am Abgrund, eine Skatefahrt in der Hochebene und dann geht es auf die buckelige Piste zum nächsten Campingplatz, an dem uns am Ende der Straße ein Schild mit Utopia begrüßt…

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Hornocal, oder: pffff pffff

Freitag, 23.8.

Ein weiterer leerer Campground (mit Hunden und Katzen, zählt nicht, haben alle), die vergangene Nacht ist aber wieder wirklich frisch gewesen. Sporadischer Heizlüftereinsatz. Wir starten auf etwas über 1200 Meter, verglichen mit dem Rest des Tages sind wir quasi im Keller.

Es geht kontinuierlich bergauf. Die Berge ändern ihre Farben nach jeder Kurve, die Vegetation wechselt von grünen Bäumen auf grüne Kakteen, die an den unmöglichsten Stellen wachsen. Wir sind allmählich in der Wüste angekommen.

Auffällig sind die Flussbetten: Was aussieht wie Kiestagebau mit zufällig aufgetürmten Wällen ist tatsächlich die Vorbereitung auf die nächste Regensaison. Denn dann kommt das Wasser massenhaft aus den Bergen herab, die längs der Fließrichtung verlaufenden Wälle wirken dann als vorgelagerte Prallhänge und hindern die Flüsse daran, ihr (oft trockenes) Bett zulasten der Menschen zu verbreitern.

Auf 3000m Höhe liegt Humahuaca. Dort verlassen wir die Hauptstraße, lassen die Touristenstände links und rechts liegen und begeben uns auf die Piste zum Hornocal. Beeindruckend, es geht zügig bergauf. In den sandigen Serpentinen macht sich der intakte Allradantrieb bemerkbar, der Bulli schiebt sich und uns tapfer den Berg hinauf. Dank Turbolader ist der Leistungsverlust durch die Höhenluft praktisch egal, solange man über der magischen Drehzahlgrenze von 1600 U/min bleibt. Tine gibt ordentlich Stoff auf der Schotterpiste, zumindest auf den vorderen Plätzen macht die Tour ziemlich viel Spaß!

Irgendwann begleitet uns ein pfft-pfft-Geräusch, einem schleifenden Blech nicht unähnlich. Hat sich wohl wieder was losgeklappert.

Auf 4300m liegt die Mautstation, 80 Pesos kostet der Eintritt für die letzten Höhenmeter zum Aussichtspunkt. Der Wärter macht uns dann netterweise auf den platten Hinterreifen aufmerksam…hoppla. Kleines Loch in der Flanke, der Reifen hat es hinter sich, irgendein Stein war stärker. Also fahren wir zur Seite und wechseln das Rad.

Höhenbedingt machen hinterher alle pfft-pfft-Geräusche, nur der neue Reifen nicht. Gut so.

Der „Berg der 14 Farben“ ist eine beeindruckende Erscheinung. Hier ein paar Schnappschüsse, die geben die Farben und Dimensionen natürlich nicht wieder.

Die Höhe macht sich bei allen bemerkbar, inbesondere bei einem kleinen Spaziergang mit kräftiger Steigung.

Ein afmerksamer (und mitleidiger) Argentinier spendet Honig-Coca-Bonbons. Wir vertrödeln keine Zeit und machen uns auf den Rückweg. 3 von 4 schlafen dann auch schnell ein, der Abstieg ist ereignislos. „Unten“ auf 3000m suchen wir uns einen netten kleinen Campground, essen exzellente Nudeln und gehen zeitig ins Bett. Morgen müssen wir dringend einen Reifenhändler suchen, denn ohne Ersatzrad fährt das Eichhörnchen (der Teufel) stets mit!

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Salta

Sie sahen: 1450 km in 3 Etappen. Diverse Buschfeuer, ein paar echt schlechte Straßenabschnitte, gute 24h-Tankstellen zur Übernachtung und viel, viel Straße. Vom subtropischen atlantischen Regenwald mit rotem Boden, Kriebelmücken undsoweiter durch karge Steppenlandschaft in die trockene Hochebene anden Anden.

Und das alles ohne Klimaanlage, die hat pünktlich in Iguazu den Geist aufgegeben. Der Tempomat funktioniert eh schon lange nicht mehr.

Wir kommen abends an und werden von einem tollen Stadtpanorama begrüßt, denn Salta liegt in einem Talkessel und ist über einen kleinen Pass zu erreichen. Nach dem Trip sehnen sich alle nach echten Betten und etwas Ruhe. Das Hostel war dann….da. Duschen warm, Zimmer sauber, Matratzen fürchterlich durchgelegen, Preis zu hoch. Lesson learned: ab sofort Probeliegen vor dem Einchecken! Wir buchen unausgeschlafen ein Apartment bei Airbnb für die nächsten Tage: mehr Platz, viel günstiger. Dort checken wir gleich nach dem Frühstück ein. Der Stadtberg liegt gleich nebenan, auf Empfehlung unseres Hosts wandern wir hinauf. 400 Höhenmeter, ein Klacks!

Oben gibt’s Wasserspiele, ein Snackrestaurant und einen tollen Überblick über Stadt und Tal.

Der Abstieg erfolgt ganz mondän in einer Seilbahn schweizerischen Fabrikats, der Ausblick ist großartig.

Abgerundet wird der Tag mit dem Besuch einer Seltenheit in Argentinien: ein rein veganes Restaurant. Lohnt sich, die Speisen sind liebe- und kunstvoll zubereitet und schmecken auch noch wahnsinnig gut.

Die Betten der günstigen, schlichten Wohnung sind viiiel besser als die des Hostels, also beginnt der nächste Tag wieder deutlich später.

Dabei trennen sich unsere Wege, wir wollen uns ja nicht ununterbrochen auf der Pelle hocken. Zu viert ist cool und macht Spaß, aber manchmal ist auch ein bisschen Abstand notwendig.

Zum „Frühstück“ um 13 Uhr in der Stadt planen wir grob die weitere Route: ab in den Norden, Hornocal besuchen, dann die Salinas Grandes durchqueren und die Ruta 40 nach Cafayate runter fahren. Klingt super! Wird natürlich nicht so funktionieren, aber das ist wieder eine andere Geschichte.

Abends gehen wir noch mal lecker essen und danach gönnen wir uns ein paar Nobelcocktails. Der Barkeeper erzählt uns, dass er gerade Deutsch für die Touristen lernt.

Insgesamt fühlt sich Salta viel netter an als Buenos Aires, ist ja auch ein bisschen kleiner. Und es gibt witzige Kakteen/Bäume am Wegesrand.

Am 22. shoppen wir noch mal umfangreich und verlassen Salta über eine herrliche Straße gen Norden nach San Salvador de Jujuy. Endlich Berge!

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Iguazu – Reisepause im Paradies

Von Samstagabend (10.8.) bis Samstagmorgen (17.8.) sind wir auf dem Campingplatz „Costa Ramon„. Nach einigen kalten Reisetagen im Bus ist etwas Pause wirklich willkommen, schließlich sind wir im Urlaub. Geplant waren 3-4 Tage, aber was sind schon Pläne. Wie kommt’s dazu? Gibt einige Gründe:

Der Campingplatz – Urlaub im Urlaub

Der Platz ist ein Traum. Ein altes Ehepaar hat ihren Garten am Flusshang mit Blick auf den Grenzfluss zu Uruguay, den Rio Paraná, liebevoll in ein verwinkeltes Campingparadies verwandelt. Der Platz ist mit der Zeit gewachsen, und entgegen argentinischen Standards werden Defekte behoben und immer irgendwo gebastelt.

Die Campenden haben einen Gasherd und zwei große Kühlschränke zur freien Benutzung, es gibt Bücher, Strom, Internet. Die Toiletten und Duschen sind sauber, die Mülleimer werden oft geleert, es wird ständig irgendwo geharkt, gefegt und der Urwald an der Rückeroberung gehindert. Die Zeltplätze sind dezent überdacht und dank feinem Holzhäcksel bequem. Drei verspielte Dobermänner, ein Ara und zwei Papageien wohnen auf dem Platz, daneben sind Kolibris, Fledermäuse, Kriebelmücken, Salamander,….zu bestaunen.

Es ist einfach toll. In der Nachmittagssonne schaukelt man in seiner Hängematte mit Panorama, vormittags kraxelt man hinab zum Ufer des Flusses, abends durchsteht man die Mückenstunde mit Canasta und Bier und Essen.

Die Dobermänner dürfen endlich mal ausgiebig gestreichelt und geknuddelt werden, da sie von den Besitzern gut gepflegt werden und keine Gefahr durch Flöhe oder ähnliches besteht.

Die Gesellschaft

Neben unserer illustren Reisegruppe waren anfangs nur eine Familie und drei Backpacker am Platz, die im Urwald quasi gar nicht auffielen. Als die Familie sich am Samstag verabschiedete gab sie sich die Klinke in die Hand mit Anne und Korbi(nian). Beide Berliner, die eine waschecht, der andere zugezogen zug’roast aus Bayern. Die beiden sind seit 8 Monaten (ohne Fahrzeug) in Südamerika unterwegs, spielen gerne Kartenspiele und sind insgesamt ganz hervorragende Gesellschaft.

Dass Anne gelernte Köchin ist und gerne kocht ist angenehmer Nebeneffekt. Til profitiert besonders, weil er seine bereits sehr stabilen Kochfähigkeiten verbessern kann. Alle anderen werden einfach nur exzellent bekocht.

Wasserfälle #1

32°C, vorher eine tropische Nacht: perfektes Badewetter! Ein minikleiner Wasserfall (genauer: Wasserfall geringen Volumenstromes, jedoch solider Fallhöhe) ist unser erstes Ziel.

Auf dem Weg dahin lesen wir ein paar widersprüchliche Informationen: Schwimmen verboten, Seien Sie beim Baden vorsichtig, Schwimmen nicht erlaubt… Daraus machen wir: Planschen ist wahrscheinlich ok. Und überhaupt sind Verbote und Schilder hier oft nur ein Vorschlag (siehe Verkehrsregeln).

Die Wanderung zum Wasserfall führt durch schattigen Atlantischen Regenwald. Bedeutet: Giganto-Ameisen, Affen, bunte Pilze und so weiter

Der Wasserfall ist im Prinzip ne Dusche mit Badewanne. Sehr frisch, aber angenehm.

Wasserfälle #2

„Morgen stehen wir früher auf um alles schaffen zu können!“

Joa. Nee. Der Campground ist einfach mag(net)isch, wir starten um 1230. Die frische Wäsche wird abgeholt (super Job, aber 35€ für nen riesigen Haufen), weiter geht’s zu den Wasserfällen. Auf der touristischen Route heute fallen wir mit unseren outdoorsy Klamotten schon mehr auf, der Standard sind Sneaker und Jogginghosen. Mit der Bummelbahn geht es direkt zum Ufer der Hauptattraktion, „Garganta del Diablo“. Dort führt ein ca 1000 Meter langer Stahlsteg bis an die Wasserfallkante. Dabei überquert man mehrere kleine Inselchen und Flussarme mit zunehmender Breite, das ist ein schöner Spannungsbogen der sich da aufbaut. Die Fauna ist auch beeindruckend:

Und dann ist es laut, windig, weiß, feucht. Hochauflösende Panoramabilder gibt es genug im Internet, also begnügen wir uns mit Selfies.

Wundervoll. Ein hypnotischer Anblick wie ein Lagerfeuer oder der Sternenhimmel.

Aber die Wasserfallfamilie ist umfangreicher, es führen tolle Wege teils direkt über die Absturzkanten. Panorama ohne Ende, ewiger Regen-Wald – das Naturweltwunder-Prädikat ist nicht verwunderlich.

Tori und Til in Brasilien
Wir fuhren mit insgesamt 3 Bussen von Puerto de Iguazu (Argentinien) zu den Iguazu Wasserfällen auf der brasilianischen Seite. Verbunden mit aussteigen, Pass-Stempel holen, einsteigen, fahren, aussteigen, Pass-Stempel holen, einsteigen und weiterfahren. Am Zielort angekommen gab es viele Touristen zu sehen. Ansonsten auch ein, zwei schöne Wasserfälle und viele Nasenbären.
Die kleinen Racker sehen ganz locker aus, haben aber spitze Zähne und flinke Füße. Die wissen auch wie der Verschluss von deiner Tasche aufgeht 😉 Touristen gab es allerdings noch sehr viel mehr als Nasenbären, so dass es schwer war, die atemberaubende Landschaft wirklich zu genießen und sich alles ganz in Ruhe anzugucken. Nichts desto trotz ein sehr ergreifendes und erinnerungswürdiges Naturschauspiel. Weil wir Brasilien auch nochmal erleben wollten fuhren wir danach mit einem recht teuren Bus Richtung Foz de Iguazu (Brasilien). Die Fahrt hat ungefähr 50 Minuten gedauert. Angefühlt hat sich das Ganze wie eine halbe Ewigkeit, da der Bus rappelvoll war und man den Fahrstil des Busfahrers einem Todeswunsch zuschreiben könnte. Im Bus half uns eine nette junge Brasilianerin dabei uns an unserem Ankunftsort etwas zurecht zu finden. Empfahl uns ein paar Restaurants und Hotels. Dort angekommen suchten wir erst etwa 3 Std nach Postkarten, weil wir unbedingt welche aus Brasilien verschicken wollten, weil es dort nur 1/3 von dem kostet was es in Argentinien kostet. Nichts gefunden bis die meisten Läden geschlossen waren. Die Sprachbarriere war auch nicht einfach. Ein Mix aus Englisch, argentinischem Spanisch – das was wir so bisher aufgeschnappt haben, brasilianischem Spanisch – was nochmal ganz anders war und Portugiesisch – was wir sowieso garnicht verstanden. Also erstmal die Suche aufgegeben und stattdessen ein nettes Hotel gefunden für wenig Geld. Der Concierge war super charmant, konnte tadelloses Englisch und hat uns noch mit Infos versorgt. Wir bezogen dann ein nettes kleines Zimmer mit Bad und Dusche. Wir gingen abends wieder los und checkten eins der Restaurants aus, die wir empfohlen bekommen haben. Es war ziemlich hip und da wir noch zur happy hour Zeit dort waren auch ziemlich günstig. Entspannter Techno, junge Leute, gedimmtes Licht und Extremsportarten auf großen Monitoren sorgten für das hippe Ambiente dieses Etablissements. Es gab einen großen Krug Caipirinha und zwei dicke Burger mit Pommes und Bruschetta als Vorspeise. Der Caipi hatte es ordentlich in sich. Für die gleiche angenehme Benommenheit hätte man in Deutschland einen Kleinkredit aufnehmen müssen. Danach gingen wir etwas angedüdelt in unser Hotel zurück. Auf dem Weg führten wir uns nochmal das Nachtpanorama der Stadt von dem zentralen Platz aus zu Gemüte, schauten noch nen halben Tatort und schliefen die Nacht sehr gut in weichen Betten! Am nächsten Morgen gab es leckeres Frühstücksbuffet. Weil wir die letzten Gäste beim Buffet waren, da wir natürlich ausschlafen wollten, hatte Til keine Scham alles zu verputzen was sich uns dort offenbarte. Danach machten wir uns nochmal auf die Suche nach Postkarten und wurden in einer Seitenstraße auch fündig. Schnell noch ein nettes Café gesucht und erstmal 2 Std Postkarten geschrieben und leckere Milchshakes getrunken. Sehr zu empfehlen das ‚bookafé‘! Dann gings wieder zurück mit dem Bus über die Grenze nach Argentinien, wieder mit rund 3 Bussen und 1,5 Std Fahrt. Die brasilianische Seite der Wasserfälle ist sehenswert, im Vergleich zu der argentinischen aber relativ aufwendig zu erreichen und bei weitem nicht so vielfältig. Trotzdem war der Trip die round about 8 Busse und 4 Passstempel auf jeden Fall wert 🙂

Sonstiges

Mit ausschlafen, einkaufen, Wasserfälle besuchen, Klamotten waschen und viel essen und spielen haben wir die Zeit hier rumgebracht. Aber eine Woche ist genug, wir sind bis zum Kern aufgewärmt (täglich >25°C), das Land ist groß und unsere Zeit begrenzt. Ab geht’s nach Süden und dann nach Westen, die Anden warten!