Dienstag, 17.9.
Am späten Vormittag rumpeln wir los nach Jesus Maria zu Diesel Jema Bosch Service. Was für eine Folter! Aber Screely hält durch. Natürlich.
Da wir pünktlich zur Mittagspause ankommen, schlagen wir uns diese an der lokalen Tankstelle um die Ohren. Den Nachmittag über warten wir dann – vor uns sind noch zwei „Sofortkunden“ dran. Wie das aber nunmal so ist: Deren Kisten werden erst zum Feierabend fertig. Unverrichteter Dinge ziehen wir dann zum lokalen Campingplatz ab – auf die paar Kilometer kommt es nun auch nicht mehr an.

Der sehr große Campingplatz ist völlig verwaist – abgesehen von zwei Schäferhundbären. Die sind erst skeptisch, stellen sich aber als ganz umgänglich heraus, solange man ihnen gegenüber sicher genug auftritt. Sind aber auch etwas aufdringlich. Toris Lehren helfen uns hier sehr, nachdem die Fronten geklärt sind (Bus: tabu, Anspringen: uncool, Leckerchen: immer gern) arrangiert man sich miteinander. Die Platzeigentümer kommen nach Anruf extra für uns her, schalten das WLAN ein, putzen die rustikalen Bäder durch und kassieren grenzwertige 400 Pesos.

Mittwoch, 18.9.
Die Nacht ist erwartungsgemäß ruhig. Wir müssen viel zu früh raus, damit wir zeitig wieder bei der Werkstatt sind. Angepeilt ist 8 Uhr, 0830 schaffen wir tatsächlich (nicht ohne Stolz). Frühstück holen wir uns diesmal in der Stadt. Hier gibts viel schönere Cafés und Restaurants als die Tanke von gestern – und die probieren wir gleich mal alle durch.



Abgesehen von netten kleinen Cafés gibt es in Jesus Maria allerdings nicht viel, daher laufen wir durch die Gegend, setzen uns irgendwo rein, laufen weiter, sitzen auf dem „Dorfplatz“, gehen noch einen Kaffee trinken usw. usw. Zwischendurch versuchen wir, uns noch mal ein paar Pesos zu holen, doch es ist ein ungünstiger Zeitpunkt. Alle Automaten sind leer, die Schlangen vor den Automaten ewig lang.

Abends dann die Erleichterung: Alle Fünfe sind wieder da! Kurzer technischer Ausflug, wer nicht interessiert ist liest nach dem nächsten Foto weiter.
Das Pumpe-Düse-Element von Zylinder 3 ist aufgrund einer defekten Magnetspule ohne Funktion. Das Element wurde getauscht, trotzdem lief die Kiste nicht. Fehlermäßig bleibt nicht viel über, denn der Kabelbaum ist auch intakt. Am Motorsteuergerät sind jedoch deutliche Korrosionsspuren aufgrund der bolivianischen Bewässerung zu finden. Nachdem die Pins peinlich genau gereinigt wurden gab es einen finalen Versuch und um 1930 lief der Wagen wieder. Klaglos, als wäre nix gewesen. Wahnsinn! Feierabendbedingt bekam Screely noch eine Übernachtung in der Werkstatt.

Wir werden vom Sohn des Werkstattbetreibers in das Hostel seines Freundes einquartiert. Ich hatte in dieser Werkstatt erst ein komisches Gefühl, weil die Mitarbeiter dort immer nur Martin angeguckt haben und wenn ich etwas gesagt habe, wurde es manchmal ingnoriert… Dann habe ich mich damit abgefunden und mich einfach rausgehalten. Ich muss ja auch nicht überall dabei sein und meinen Senf dazugeben. Somit sind auf einmal die Rollen vertauscht und Martin musste (auf Englisch – puh) für uns kommunizieren.

Donnerstag, 19.9.
Wir haben mal wieder in einem Bett geschlafen, das nicht durchgelegen war, zum Frühstück gibt es das typische Hostelfrühstück bestehend aus trockenen Brötchen und so einer Art Keksen, die man mit Marmelade bestreichen kann und süßem Kaffee.
Danach sind wir wieder in die Stadt gegangen, schicken Romina einen Geburtstagsgruß und es wird viel gespielt und gegessen bis wir um 16 Uhr dann endlich das Auto abholen können. Juhu!

Wir fahren dann direkt nach Cordoba, geben dort unsere Wäsche ab und kehren in ein schickes kleines Burgerrestaurant ein, das im Studentenviertel liegt. Der Abend war ziemlich gut, bis auf einmal ein kleines Mädchen zu uns an den Tisch kam, das uns etwas verkaufen wollte. Wir haben schon öfter Menschen getroffen, die uns etwas verkaufen wollten, jedoch kam uns niemand so nahe wie dieses kleine Mädchen. Es war schon ca. 21 Uhr und dunkel draußen. Sie war ungefähr acht Jahre alt, barfuß und sehr ungepflegt. Da wir in Ruhe weiteressen wollten sagten wir: „No, perdon.“ Aber so schnell gab sie nicht auf. Sie zeigte auf ihre Ware, dann auf ihre nackten Füße und dann auf ihre Tränenspuren in ihrem dreckigen Gesicht. Als wir wieder „No“ sagten (diesmal etwas vehementer), kam sie mir ganz nah und zeigte auf ihren Mund, dass sie Hunger habe. Ich zeigte auf meine unberührten Pommes und bot ihr welche davon an. Sie meinte daraufhin irgendwas dazu, dass sie draußen isst und wollte weiterhin ihre Ware verkaufen. Ich erinnere mich noch wie ich Martin ansah und die gleiche Ratlosigkeit in seinem Blick lag, die ich fühlte. Sollten wir jetzt was von ihr kaufen? Sie tat uns natürlich leid, doch gleichzeitig wussten wir nicht, ob es ihr überhaupt etwas bringen würde, wenn sie Geld von uns bekam. Würden wir damit nur anderen Menschen Geld in die Tasche stecken, die dafür verantwortlich waren, dass dieses kleine Mädchen spätabends noch betteln ging?
Wir waren leider überhaupt nicht vorbereitet auf dieses Szenario und sagten so nochmals: „No“ Daraufhin streckte sie uns die Zunge raus, ihr ganzes Verhalten veränderte sich in geschäftsmäßig und sie ging schnurstracks wieder aus dem Restaurant raus.
Unser Schlafplatz für die Nacht sollte ein Parkplatz sein, der laut iOverlander geeignet war, um dort eine Nacht zu stehen. In den Unigebäuden gab es Toiletten und somit war es für uns naheliegend, uns spontan eine Nacht dorthin zu stellen.
Martin war die Ruhe selbst während ich es sehr beunruhigend fand, einfach so in der Öffentlichkeit zu übernachten. Ich weiß, wir haben das schon ein paar Mal gemacht, aber zu viert fühlt es sich doch irgendwie sicherer an als zu zweit. Dazu kam, dass dieser Parkplatz abends immer noch frequentiert war mit Autos, die eine Weile dort parkten und dann wieder wegfuhren… Hmmm.
Freitag, 20.9.
So viele Menschen! Morgens hat sich der Parkplatz quasi unbemerkt komplett gefüllt. Als wir um 9 aufstehen, können wir die Infrastruktur der Uni nutzen. Die kleine Cafeteria nutzen wir dann jedoch nicht, da sie gerade von Paramedicos (Sanitäter, alle in Arbeitsklamotten inkl. Helm!) gestürmt wird, die nebenan eine Prüfung geschrieben haben.

Ein fancy Café lässt uns dann die Wartezeit bis 11 Uhr gut herumbringen. Der servierte Kaffee ist nicht nur schön anzusehen und in netten Tassen, sondern auch einer der besten auf der Reise – abgesehen von Tils natürlich!
Die stark, aber nicht unangenehm parfümierte Wäsche ist sehr sauber, 5€ für eine Reisetasche voll ist ein unschlagbarer Kurs. Wir sind dadurch versorgt für den Rest der Reise. Ab auf die Straaaaaaße!

400 todeslangweilige Kilometer später erreichen wir die drittgrößte Stadt des Landes, Rosario. Auch hier gönnen wir uns ein Hostel, da die Campground-Auswahl sehr mager ist. Waren die Stollenreifen eigentlich schon immer so laut?