Veröffentlicht in Allgemein

Iguazu – Reisepause im Paradies

Von Samstagabend (10.8.) bis Samstagmorgen (17.8.) sind wir auf dem Campingplatz „Costa Ramon„. Nach einigen kalten Reisetagen im Bus ist etwas Pause wirklich willkommen, schließlich sind wir im Urlaub. Geplant waren 3-4 Tage, aber was sind schon Pläne. Wie kommt’s dazu? Gibt einige Gründe:

Der Campingplatz – Urlaub im Urlaub

Der Platz ist ein Traum. Ein altes Ehepaar hat ihren Garten am Flusshang mit Blick auf den Grenzfluss zu Uruguay, den Rio Paraná, liebevoll in ein verwinkeltes Campingparadies verwandelt. Der Platz ist mit der Zeit gewachsen, und entgegen argentinischen Standards werden Defekte behoben und immer irgendwo gebastelt.

Die Campenden haben einen Gasherd und zwei große Kühlschränke zur freien Benutzung, es gibt Bücher, Strom, Internet. Die Toiletten und Duschen sind sauber, die Mülleimer werden oft geleert, es wird ständig irgendwo geharkt, gefegt und der Urwald an der Rückeroberung gehindert. Die Zeltplätze sind dezent überdacht und dank feinem Holzhäcksel bequem. Drei verspielte Dobermänner, ein Ara und zwei Papageien wohnen auf dem Platz, daneben sind Kolibris, Fledermäuse, Kriebelmücken, Salamander,….zu bestaunen.

Es ist einfach toll. In der Nachmittagssonne schaukelt man in seiner Hängematte mit Panorama, vormittags kraxelt man hinab zum Ufer des Flusses, abends durchsteht man die Mückenstunde mit Canasta und Bier und Essen.

Die Dobermänner dürfen endlich mal ausgiebig gestreichelt und geknuddelt werden, da sie von den Besitzern gut gepflegt werden und keine Gefahr durch Flöhe oder ähnliches besteht.

Die Gesellschaft

Neben unserer illustren Reisegruppe waren anfangs nur eine Familie und drei Backpacker am Platz, die im Urwald quasi gar nicht auffielen. Als die Familie sich am Samstag verabschiedete gab sie sich die Klinke in die Hand mit Anne und Korbi(nian). Beide Berliner, die eine waschecht, der andere zugezogen zug’roast aus Bayern. Die beiden sind seit 8 Monaten (ohne Fahrzeug) in Südamerika unterwegs, spielen gerne Kartenspiele und sind insgesamt ganz hervorragende Gesellschaft.

Dass Anne gelernte Köchin ist und gerne kocht ist angenehmer Nebeneffekt. Til profitiert besonders, weil er seine bereits sehr stabilen Kochfähigkeiten verbessern kann. Alle anderen werden einfach nur exzellent bekocht.

Wasserfälle #1

32°C, vorher eine tropische Nacht: perfektes Badewetter! Ein minikleiner Wasserfall (genauer: Wasserfall geringen Volumenstromes, jedoch solider Fallhöhe) ist unser erstes Ziel.

Auf dem Weg dahin lesen wir ein paar widersprüchliche Informationen: Schwimmen verboten, Seien Sie beim Baden vorsichtig, Schwimmen nicht erlaubt… Daraus machen wir: Planschen ist wahrscheinlich ok. Und überhaupt sind Verbote und Schilder hier oft nur ein Vorschlag (siehe Verkehrsregeln).

Die Wanderung zum Wasserfall führt durch schattigen Atlantischen Regenwald. Bedeutet: Giganto-Ameisen, Affen, bunte Pilze und so weiter

Der Wasserfall ist im Prinzip ne Dusche mit Badewanne. Sehr frisch, aber angenehm.

Wasserfälle #2

„Morgen stehen wir früher auf um alles schaffen zu können!“

Joa. Nee. Der Campground ist einfach mag(net)isch, wir starten um 1230. Die frische Wäsche wird abgeholt (super Job, aber 35€ für nen riesigen Haufen), weiter geht’s zu den Wasserfällen. Auf der touristischen Route heute fallen wir mit unseren outdoorsy Klamotten schon mehr auf, der Standard sind Sneaker und Jogginghosen. Mit der Bummelbahn geht es direkt zum Ufer der Hauptattraktion, „Garganta del Diablo“. Dort führt ein ca 1000 Meter langer Stahlsteg bis an die Wasserfallkante. Dabei überquert man mehrere kleine Inselchen und Flussarme mit zunehmender Breite, das ist ein schöner Spannungsbogen der sich da aufbaut. Die Fauna ist auch beeindruckend:

Und dann ist es laut, windig, weiß, feucht. Hochauflösende Panoramabilder gibt es genug im Internet, also begnügen wir uns mit Selfies.

Wundervoll. Ein hypnotischer Anblick wie ein Lagerfeuer oder der Sternenhimmel.

Aber die Wasserfallfamilie ist umfangreicher, es führen tolle Wege teils direkt über die Absturzkanten. Panorama ohne Ende, ewiger Regen-Wald – das Naturweltwunder-Prädikat ist nicht verwunderlich.

Tori und Til in Brasilien
Wir fuhren mit insgesamt 3 Bussen von Puerto de Iguazu (Argentinien) zu den Iguazu Wasserfällen auf der brasilianischen Seite. Verbunden mit aussteigen, Pass-Stempel holen, einsteigen, fahren, aussteigen, Pass-Stempel holen, einsteigen und weiterfahren. Am Zielort angekommen gab es viele Touristen zu sehen. Ansonsten auch ein, zwei schöne Wasserfälle und viele Nasenbären.
Die kleinen Racker sehen ganz locker aus, haben aber spitze Zähne und flinke Füße. Die wissen auch wie der Verschluss von deiner Tasche aufgeht 😉 Touristen gab es allerdings noch sehr viel mehr als Nasenbären, so dass es schwer war, die atemberaubende Landschaft wirklich zu genießen und sich alles ganz in Ruhe anzugucken. Nichts desto trotz ein sehr ergreifendes und erinnerungswürdiges Naturschauspiel. Weil wir Brasilien auch nochmal erleben wollten fuhren wir danach mit einem recht teuren Bus Richtung Foz de Iguazu (Brasilien). Die Fahrt hat ungefähr 50 Minuten gedauert. Angefühlt hat sich das Ganze wie eine halbe Ewigkeit, da der Bus rappelvoll war und man den Fahrstil des Busfahrers einem Todeswunsch zuschreiben könnte. Im Bus half uns eine nette junge Brasilianerin dabei uns an unserem Ankunftsort etwas zurecht zu finden. Empfahl uns ein paar Restaurants und Hotels. Dort angekommen suchten wir erst etwa 3 Std nach Postkarten, weil wir unbedingt welche aus Brasilien verschicken wollten, weil es dort nur 1/3 von dem kostet was es in Argentinien kostet. Nichts gefunden bis die meisten Läden geschlossen waren. Die Sprachbarriere war auch nicht einfach. Ein Mix aus Englisch, argentinischem Spanisch – das was wir so bisher aufgeschnappt haben, brasilianischem Spanisch – was nochmal ganz anders war und Portugiesisch – was wir sowieso garnicht verstanden. Also erstmal die Suche aufgegeben und stattdessen ein nettes Hotel gefunden für wenig Geld. Der Concierge war super charmant, konnte tadelloses Englisch und hat uns noch mit Infos versorgt. Wir bezogen dann ein nettes kleines Zimmer mit Bad und Dusche. Wir gingen abends wieder los und checkten eins der Restaurants aus, die wir empfohlen bekommen haben. Es war ziemlich hip und da wir noch zur happy hour Zeit dort waren auch ziemlich günstig. Entspannter Techno, junge Leute, gedimmtes Licht und Extremsportarten auf großen Monitoren sorgten für das hippe Ambiente dieses Etablissements. Es gab einen großen Krug Caipirinha und zwei dicke Burger mit Pommes und Bruschetta als Vorspeise. Der Caipi hatte es ordentlich in sich. Für die gleiche angenehme Benommenheit hätte man in Deutschland einen Kleinkredit aufnehmen müssen. Danach gingen wir etwas angedüdelt in unser Hotel zurück. Auf dem Weg führten wir uns nochmal das Nachtpanorama der Stadt von dem zentralen Platz aus zu Gemüte, schauten noch nen halben Tatort und schliefen die Nacht sehr gut in weichen Betten! Am nächsten Morgen gab es leckeres Frühstücksbuffet. Weil wir die letzten Gäste beim Buffet waren, da wir natürlich ausschlafen wollten, hatte Til keine Scham alles zu verputzen was sich uns dort offenbarte. Danach machten wir uns nochmal auf die Suche nach Postkarten und wurden in einer Seitenstraße auch fündig. Schnell noch ein nettes Café gesucht und erstmal 2 Std Postkarten geschrieben und leckere Milchshakes getrunken. Sehr zu empfehlen das ‚bookafé‘! Dann gings wieder zurück mit dem Bus über die Grenze nach Argentinien, wieder mit rund 3 Bussen und 1,5 Std Fahrt. Die brasilianische Seite der Wasserfälle ist sehenswert, im Vergleich zu der argentinischen aber relativ aufwendig zu erreichen und bei weitem nicht so vielfältig. Trotzdem war der Trip die round about 8 Busse und 4 Passstempel auf jeden Fall wert 🙂

Sonstiges

Mit ausschlafen, einkaufen, Wasserfälle besuchen, Klamotten waschen und viel essen und spielen haben wir die Zeit hier rumgebracht. Aber eine Woche ist genug, wir sind bis zum Kern aufgewärmt (täglich >25°C), das Land ist groß und unsere Zeit begrenzt. Ab geht’s nach Süden und dann nach Westen, die Anden warten!