Montag, 5.8.
Gestern haben wir beschlossen so richtig früh, aber doch ausgeschlafen loszufahren. Klappt inzwischen einigermaßen, gegen 10 starten wir. Frühstück gibt’s an einer Tankstelle, in einem Kaff shoppen wir Snacks. Die lokale Müllabfuhr staunt, die Verkäuferin im Laden will Tines Reisepass fotografieren weil der so interessant ist.

Neben der Strecke nach Norden liegt eine Kolonie, die von deutschen Einwanderern gegründet wurde. Für die Durchreisenden gibt es „La Alemana“, einen großen Kitschladen. Wir halten an und uns bedeckt. Wäre okay wenn man uns für US-Amerikaner hielte (ist schon vorgekommen). Gut so, die geringen Erwartungen wurden erheblich unterboten. Der Laden ist voller Ramsch, deutsch ist da nur das Schöfferhofer (was man hier sowieso in jedem besser sortierten Supermarkt bekommt). Oder sind deutsche Matebecher ein geheimer Exportschlager? Als geschmackvoll passende Ergänzung gibt es ein Lokal mit auch für Argentinien üblichen Gerichten, die allerdings deutsche Namen haben: Tiger, Graf Spee, Panzer. Bock auf ein belegtes Brötchen „Kaiser“?
Schnell weiter, auf die tatsächliche Kolonie weckt das hier keine Neugier.
Mit unserem VW fahren wir in einen nach Mercedes. Der rustikale, aber kostenlose, städtische Campground ist gut für eine Übernachtung.
Erstmals treffen wir andere Reisende: eine französische Familie, die zu viert in einem alten Iveco TurboDaily 4×4 reist. Rustikale Kiste, nette Truppe, neugierige Kinder. Tines Kopf raucht, denn die Kommunikation läuft in einer Mischung aus Französisch, Spanisch und Englisch zwischen ihr und der französischen Mutter.
Wir essen Pizza in der Stadt, zocken noch eine Runde und gehen wieder zeitig schlafen – Mercedes ist kein Ziel, sondern nur eine Station.
Dienstag, 6.8.
Die erste Bullinacht ohne Heizlüfterbedarf, wir kommen allmählich in nördliche Gefilde. Wir verabschieden uns von den Franzosen und zockeln los. Die 120 km seien eher mäßig und bei Regen schwierig zu fahren, heißt es bei iOverlander.
Einschub
iOverlander ist eine freie, kostenlose App, bei der Campingplätze, campingtaugliche Plätze, korrupte Polizeikontrollen, Wäschereien, Cambios,….. kurzum: alles eingetragen ist, was der Herumreisende braucht. Die App lebt von der Teilnahme der Nutzer, also bewerten wir fleißig (englischsprachig) besuchte Campgrounds. Die Erfahrung zeigt bislang nämlich, dass die teils sehr detaillierten Beschreibungen überwiegend zutreffen. Der idyllische Campground IST idyllisch, der Platz mit als zweifelhaft beschriebenen Toiletten erfordert eine hohe Toileranz. Super Sache!
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Die ersten 40 km sind super. Leere, perfekte Straße. Wir passieren dann die aktive Baustelle, die dafür sorgt dass es bisher so aussieht wie es aussieht, und sind das erste Mal auf ner richtigen Schotterpiste.

Die wechselt zwischen mäßig und mies, ist generell enorm leer und insgesamt eine gute Trainingspiste für unsere angehenden Führerscheinneulinge.




Mit Geschwindigkeiten zwischen 20 und 60 km/h arbeiten wir uns bis zum Naturschutzgebiet voran. Zwischendurch düsen die Franzosen an uns vorbei – die haben für so eine Piste das robustere Auto.
Am Naturschutzgebiet wird das Informationszentrum neu gebaut. Darum gibt es freilaufende Ranger zu sehen! Einer stürzt sich direkt auf uns, empfiehlt kurze Wanderrouten und zeigt uns den – durch die Baustelle versteckten – Zugang zu einer weiteren Route.
Ab in den Dschungel:




Bäume, Leute, Capybaras, Alligatoren, Riesenvögel und ein Hirsch. Wir kriegen gleich die volle Ladung.
Über einen Damm erreichen wir dann das Örtchen Colonia Carlos Pellegrini.
Der Campground direkt am See ist nett, die Franzosen sind schon hier. Capybaras und Ipecas laufen herum, der Sonnenuntergang überm See lockt sogar die Einheimischen abends kurz an’s Ufer. Hier kann man es erstmal aushalten!





