Montag 22.7.
Kaaaalt! Es ist Winter hier unten, das bedeutet einstellige Temperaturen in der Nacht und 12-15°C tagsüber. Die letzten Tage waren milder, aber jetzt sind wir phasenweise neidisch auf die derzeitige deutsche Turbohitzephase.
Heute heißt es schon wieder Flughafen, wieder Abschied: auch Bernd fliegt jetzt nach Hause zurück. Wir kommen mit genug Puffer am Flughafen an. Check-In, Kaffee, Media Luna (wichtigste Vokabel für Martin, das sind teils hervorragende Croissants). Und schon ist Bernd verschwunden. Danke für all die Campingtipps und gute Heimkehr!

Danach sind wir durch Buenos Aires gefahren und haben das erste Mal eine Mall besucht. Dort dann festgestellt, dass es Gebühren kostet mit der Maestrokarte zu zahlen. Aber wir mussten es natürlich ausprobieren! Und Maestro steht hier neben Visa und Master oft an der Ladenfront…
Danach haben wir einen (im Sommer sicher noch malerischeren) Campingplatz am Wasser bei La Plata gefunden, auf dem wir ganz alleine waren. Abgesehen von einer kleinen Hundebande, die uns auf Schritt und Tritt gefolgt ist. Fans!
Dort fand in der Dämmerung außerdem ein glorreichen Naturschauspiel statt, welches uns an Ice Age erinnert hat:
Es handelt sich um völlig bekloppte Dodos Ipacas aus der Familie der Rallen.

Nach echt campermäßigen Nudeln mit Soße…

…haben wir den Bus für zwei Leute aufgeräumt und etwas umstrukturiert und waren zum Abschluss duschen. Heiß, aber spannend und durchaus nicht unüblich. Hier ein HowTo: „warm duschen und dabei nicht sterben in Südamerika“:
- Checken, ob die Sicherung raus ist
- Den Duschkopf unten am Wasserbottich (Boiler wäre geschönt) schließen
- Oben Kaltwasser einfüllen bis es rausläuft
- Sicherung an, Heizdraht im Boiler an
- 2 Stunden was anderes tun
- Zurückkommen, die Nudeln oben in den dampfenden Boiler werfen
- Sicherung raus!
- Heißwasser ablassen, gleichzeitig Kaltwasser nachfüllen, bis die gewünschte Duschtemperatur im Boiler erreicht ist
- Mit 15 Litern Wasser wirtschaftlich duschen
- Sich total McGyvermäßig (und sauber) fühlen
Dienstag 23.7.
KaaAAAaaalt! Der Strom geht nur sporadisch, es ist schon pfadfindermäßig hier. Bei 8°C und grauem Himmel raus aus den Federn. Warum fahren wir Deppen eigentlich in den Süden? Leider hat die Vernunft gesiegt: das warme Iguazu ist 2-3 Tage entfernt, und in 6 Tagen kommen Tori und Til auch schon an. Do the math….
Der Bereich südöstlich von Buenos Aires ist relativ platt und leer. Fühlt sich nach Brandenburg an, oder anders: Pampa. Und da ist der Atlantik dann auch in der Nähe. Kann man also schon mal hinfahren. Das Nichts als Attraktion. Und es ist ganz gleich nebenan!
Aber auch da ist es kalt, und auf dem Weg liegt La Plata. Also haben wir uns ein kuscheliges AirBNB-Zimmer gesucht.
Vom Campingplatz bis dort war der Weg nicht weit. Auch hier: Grünstreifenpflege auf Argentinisch
Das Zimmer mit eigenem Bad ist in einem historischen Haus, mit viel Holz und Charme. Die Gastgeberin vermietet 3 Zimmer und wohnt selbst im Gebäude, das macht sich bemerkbar: alles ist liebevoll gemacht, sauber, gepflegt und intakt. Keine Selbstverständlichkeit hier! Selbstverständlich ist hier nur der Hund, davon gibt es viele.
Hier kamen wir auch erstmals mit der argentinischen Kultur in Kontakt, da die Gastgeberin und ihre Tochter tadelloses Englisch sprechen. Kultur heißt in diesem Fall: Mate probieren. (Beinahe) jeder hier hat ne Mate-„Tasse“ mit den Blättern des Ilex paraguariensis in der Hand und ne Thermoskanne mit heißem Wasser unterm Arm. Das trinkt man dann vor sich hin oder, wie es uns erzählt wurde, in geselliger Runde (also mit seinen mates). Dabei gibt man das Getränk dann auch rum.
Schmeckt bitter, macht wach. Das selbe wie Kaffee, nur in grün.
Abends waren wir in einer Craftbeerbar essen. Englisch konnte keiner so richtig, dafür waren alle umso mehr bemüht um uns. Extrem nett, extrem Lecker, sowohl das Bier als auch das Fleisch. Das können die hier einfach. ¡Salud!
In literarischer Sache: Wir schreiben unabsichtlich in einem Mix aus Präsens und Präteritum (danke Tine), weil wir uns nicht entscheiden konnten (see what I did there?).
Was liest sich besser?